Geschichte

Aus dem Haus- und Heimatbuch des Kreises Waldshut (1956)…

Geographie:
Geißlingen liegt 398 m ü. d. M. zwischen Klingengraben und Schwarzbach und umfaßt eine Gemarkung von 886 ha. Geißlingen, zu dem auch der auf dem rechten Ufer des Klingengrabens gelegene Heidegger Hof (409 m) gehört, hat 593 Einwohner (1956) und ist Pfarrort. Patronin der Pfarrkirche ist die hl. Katharina (25.11.). Der Ort liegt an der Straße Waldshut – Jestetten und hat Bahnbus-Verbindung durch die Linie Waldshut – Grießen.

Geschichte:
Geißlingen gehört zu den ältesten Klettgaudörfern. Darauf weisen verschiedene Funde aus der Hallstatt- und La Tene-Zeit hin. Aus der Römerzeit stammt das „Heidenschlößle“ beim Heidegger Hof. Es handelt sich um einen quadratischen Bau mit einem Seitenmaß von rund 40 m. Das Gebäude, das an der Heerstraße über den Schwarzwald lag, diente offenbar einem römischen Wachtposten. Der Bau, so wird vermutet, soll der römischen Staatspost als Posthaus gedient haben.
Die Stempel auf den Ziegelplatten gehören der XI. und XXI. Legion an, die um 70 n. Chr. in Windisch lagen und deren Vortruppen im Klettgau standen. Neben Wandmalereien und vielen Münzen wurde ein Kopf aus rotem Sandstein gefunden, dessen eingehauene Zeichen die 3. Kohorte der Hispanier vermuten lassen.

Östlich von Geißlingen wurden 1896 drei römische Grabhügel mit verschiedenen Beigaben gefunden.

Im Jahre 876 kommt Geißlingen durch den frommen Gotsbert, Landgraf im Klettgau, an das Kloster Rheinau.
Marquardt Freiherr von Krenkingen-Weissenburg schenkte 1111 seinen Besitz im Dorf dem im gleichen Jahr gegründeten Augustinerkloster in Detzeln, das bald nach Riedern a. W. verlegt wurde. Diesen Geißlinger Klosterhof erhält 1350 das Frauenkloster in Riedern, zu dem er bis dessen Auflösung gehört hat. Im Jahre 1345 wird Konrad von Krenkingen auf Burg Roggenbach als Vogt von Geißlingen erwähnt. Im Dorf hatte auch das Kloster Berau alte Grundrechte. Die Kaplanei Grießen bezog in Geißlingen Grundzins, der nach seiner Aufstellung von 1530 auf St. Galli fällig war. 1622 verliehen die Grafen Alwig und Ludwig Carl Ernst von Sulz diesen Zins mit dem Kaplaneizins von Dangstetten und Küßnach der neu errichteten Pfarrei Oberlauchringen.

Im Jahre 1524 brachte Thomas Münzer die Lehre der Wiedertäufer in den Klettgau. Im Bauernkrieg versuchten die Klettgauer eine verzweifelte Gegenwehr gegen den wegen seiner Strenge gefürchteten Grafen Rudolf von Sulz, dessen Burg drohend in das Tal hinunter schaute. Mit der letzten Schlacht auf dem Friedhof in Geißlingen, wo sich 300 Bauern verschanzt hatten, von denen die meisten den Tod fanden, nahm der Bauernkrieg im Klettgau sein Ende. Der Niederlage aber folgte ein blutiges Strafgericht.

Jahrhundertelang mußten die Bauern von Geißlingen, Grießen und Oberlauchringen mit ihren Früchten zur herrschaftlichen Bannmühle nach Oberlauchringen. Die Mühlengenossen der drei Gemeinden waren verpflichtet, den Mühlengraben, die Wutachwehre bei der Brücke und das Mühlenwerk im Frondienst zu unterhalten. Dazu leistete die Herrschaft stets einen Beitrag in Geld. Für Wehre und Wasserstube, die in Holzkanälen sieben Wasserzuläufe hatten, wurde fast jedes Jahr wegen des zerstörenden Hochwassers viel Holz benötigt.

Vom 3. auf den 4. Juni 1845 wurde Geißlingen von einer großen Brandkatastrophe heimgesucht. Da die Häuser noch meistens Stroh- oder Schindeldächer hatten, brannten in kurzer Zeit im nordwestlichen Dorfteil mit dem Gasthaus zum „Rebstock“ 27 Häuser nieder.
Des Buschwirts Haus mit der Jahreszahl 1548 blieb vom Brand verschont. Durch den Brand kamen viele Einwohner in größte Not.

Auf einer Anhöhe über dem Dorf steht die Kirche, die 1820-21 aus der damaligen Kapelle erweitert wurde. Über dem Eingang zum Turm befindet sich die Jahreszahl 1618. Rings um die Kirche liegt der Friedhof. Geißlingen gehörte zur Pfarrei Grießen, wurde 1898 Kuratie und im August 1910 selbständige Pfarrei.

Der Weltkrieg 1914 – 18 forderte von Geißlingen 14 Gefallene und 2 Vermisste und der Weltkrieg 1939 – 45 35 Gefallene und 13 Vermisste.
Der Aus- und Umbau des Geißlinger Rathauses erfolgte im Jahre 1950.

Copyright 1956 by Vocke-Verlag, Waldshut/Baden
Satz und Druck: Hochrheinische Buchdruckerei und Kunstanstalt,
Hermann Stratz & Co. GmbH, Säckingen/Rhein